Wie du Konflikte stressfrei lösen kannst


Konflikte lösen: Was du aus einem Streit lernen kannst

Kennst du das? Eben war noch alles in Ordnung – und plötzlich steckst du mitten in einem Konflikt.

Irgendetwas ist schiefgelaufen, dein Gegenüber reagiert völlig anders als erwartet und du fragst dich nur noch: Was ist denn jetzt passiert?

Und obwohl die Situation vielleicht nur ein paar Sekunden gedauert hat, beschäftigt sie dich noch Stunden später.

Du gehst das Gespräch immer wieder durch, überlegst, was du anders hättest sagen können, und ärgerst dich über dein Gegenüber – oder über dich selbst.

Genau das ist mir beim Joggen passiert.

Ich war auf einer meiner üblichen Strecken unterwegs.

Dort gibt es einen recht schmalen Weg an einem Fluss. V

or mir standen einige Menschen mit ihren Hunden, die mitten auf dem Weg liefen.

Ich wollte vorbei und gleichzeitig etwas Abstand zu den Hunden halten.

Also rief ich im Vorbeilaufen:

„Könnten Sie Ihre Hunde bitte kurz zur Seite nehmen?“

Daraufhin kam eine Frau einen Schritt auf mich zu und rief wütend: „Was fällt Ihnen ein?!“

Sie fühlte sich offenbar von mir angegriffen.

Ich war völlig überrascht.

In meinem Kopf war meine Bitte vollkommen harmlos gewesen.

Ich wollte niemanden kritisieren.

Ich wollte einfach nur vorbeilaufen.

Trotzdem war die Situation innerhalb weniger Sekunden eskaliert.

Ich blieb nicht stehen.

In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass eine Diskussion den Konflikt eher noch verschärfen würde.

Außerdem kannte ich die Frau nicht und sah keinen Grund, die Situation weiter auszutragen.

Also lief ich weiter.

Aber innerlich war ich natürlich längst nicht weiter.

Ich war aufgebracht, fühlte mich ungerecht behandelt und ging die Situation beim Weiterlaufen immer wieder durch. 

Was war denn da gerade passiert? Warum reagiert sie so? Hätte ich etwas anderes sagen sollen?

Zuhause machte ich mir erst einmal einen Kaffee, setzte mich auf die Terrasse und dachte noch einmal in Ruhe über die Begegnung nach.

Und dabei wurde mir einiges klar.

1. Kurz innehalten und die Situation noch einmal betrachten

Wenn wir mitten in einem Konflikt stecken, sehen wir meistens nur unsere eigene Perspektive.

Der andere hat sich unmöglich verhalten. Er hat uns falsch verstanden. Er hätte anders reagieren müssen.

Das Problem dabei: Solange wir in diesem Ärger bleiben, kommen wir kaum weiter.

Deshalb hilft es, die Situation später noch einmal mit etwas Abstand zu betrachten.

Ich fragte mich:

Was ist eigentlich genau passiert?

Was habe ich gesagt?

Wie könnte meine Aussage bei der anderen Person angekommen sein?

Und was kann ich daraus lernen?

Allein dadurch veränderte sich meine Haltung. Mein Ärger wurde deutlich kleiner.

Wenn du Konflikte lösen willst, lohnt es sich deshalb, nicht nur darauf zu schauen, wer recht oder unrecht hatte. Viel interessanter ist die Frage:

Was ist zwischen uns passiert?

2. Was ich sagen wollte – und was sie wahrscheinlich gehört hat

Aus kommunikationspsychologischer Sicht war meine Aussage ziemlich interessant.

Ich hatte gesagt:

„Könnten Sie Ihre Hunde bitte kurz zur Seite nehmen?“

Für mich war die Botschaft klar:

Ich möchte hier gerne vorbei.

Doch Kommunikation funktioniert leider nicht so einfach.

Eine Nachricht enthält fast immer mehrere Ebenen.

Auf der Sachebene war meine Botschaft tatsächlich nur:

Die Hunde stehen im Weg und ich möchte vorbei.

Aber auf der Beziehungsebene konnte meine Aussage ganz anders klingen:

Sie passen nicht richtig auf Ihre Hunde auf.

Oder sogar:

Sie verhalten sich rücksichtslos.

Das hatte ich überhaupt nicht gemeint.

Gleichzeitig steckte in meinem Satz auch etwas über mich selbst:

Ich fühle mich mit den Hunden auf diesem engen Weg nicht besonders wohl.

Und natürlich enthielt die Aussage auch einen Appell:

Bitte sorgen Sie dafür, dass ich vorbeikomme.

Ich hatte also etwas völlig anderes senden wollen als das, was bei meinem Gegenüber möglicherweise angekommen war.

Und genau da entstehen viele Konflikte.

Wir denken:

„Ich habe doch nur gesagt …“

Der andere hört aber etwas ganz anderes.

Das bedeutet nicht automatisch, dass einer von beiden schuld ist. Es bedeutet zunächst nur:

Wir haben uns missverstanden.

Und das ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse, wenn wir Konflikte lösen wollen.

3. Man muss nicht jeden Konflikt sofort klären

Meine zweite Erkenntnis war: Es war völlig in Ordnung, einfach weiterzulaufen.

Wir haben oft die Vorstellung, dass ein Konflikt unbedingt sofort geklärt werden muss.

Das stimmt aber nicht.

Natürlich hätte ich stehenbleiben können.

Ich hätte mich erklären können.

Ich hätte mich entschuldigen können.

Ich hätte auch zurückbrüllen können – was vermutlich die schlechteste Variante gewesen wäre.

Aber in diesem Moment war ich selbst emotional aufgewühlt. Die andere Person offensichtlich ebenfalls.

Das sind selten gute Voraussetzungen für ein klärendes Gespräch.

Manchmal ist es deshalb die sinnvollste Lösung, eine Situation erst einmal zu verlassen.

Das ist nicht automatisch Feigheit oder Konfliktvermeidung.

Es kann schlicht bedeuten:

Jetzt ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt.

Im Nachhinein kann ich deshalb gut damit leben, dass ich weitergelaufen bin.

4. Die beste Antwort fällt einem oft erst später ein

Kennst du das?

Du hast einen Konflikt – und drei Stunden später fällt dir plötzlich der perfekte Satz ein.

Das hätte ich sagen sollen!

Und dann ärgerst du dich darüber, dass dir diese Antwort nicht sofort eingefallen ist.

Das ist ziemlich unfair dir selbst gegenüber.

Denn wenn wir emotional aufgewühlt sind, reagieren wir anders als in einer ruhigen Situation.

Heute könnte ich wahrscheinlich viel gelassener reagieren.

Ich könnte stehenbleiben und sagen:

„Ich glaube, das ist gerade völlig falsch angekommen. Ich wollte Sie überhaupt nicht angreifen. Ich wollte nur gerne vorbeilaufen.“

Vielleicht würde das funktionieren.

Vielleicht auch nicht.

Aber allein dadurch, dass ich die Situation hinterher analysiert habe, habe ich eine neue Möglichkeit gelernt.

Und genau so entsteht Spontanität.

Was später nach einer spontanen und souveränen Reaktion aussieht, ist häufig das Ergebnis vieler vorheriger Erfahrungen.

Deshalb musst du dir nicht vorwerfen, wenn dir in einem Konflikt nicht sofort die perfekte Antwort einfällt.

Viel hilfreicher ist die Frage:

Was möchte ich beim nächsten Mal anders machen?

5. Konflikte lösen durch Umdeutung

Meine letzte Erkenntnis war für mich vielleicht die überraschendste.

Als ich später über die Situation nachdachte, war ich der Frau plötzlich gar nicht mehr so böse.

Im Gegenteil.

Ich war sogar ein bisschen dankbar für diese Begegnung.

Nicht, weil es besonders angenehm gewesen wäre, auf einem Spazierweg angeschrien zu werden.

Sondern weil ich aus diesen vielleicht 20 Sekunden ziemlich viel gelernt hatte.

Ich hatte etwas über Kommunikation gelernt.

Über Missverständnisse.

Über meine eigene Reaktion.

Und darüber, wie ich in einer ähnlichen Situation beim nächsten Mal handeln möchte.

Genau das ist eine Form von aktivem Stressmanagement.

Du musst dir eine unangenehme Situation nicht schönreden.

Aber du kannst dich fragen:

Was kann ich daraus mitnehmen?

Damit veränderst du nicht das, was passiert ist.

Du veränderst aber die Bedeutung, die das Ereignis für dich bekommt.

Und genau dadurch verlieren viele Konflikte im Nachhinein einen großen Teil ihrer emotionalen Kraft.

Konflikte lösen heißt nicht immer, sich zu einigen

Wenn du also das nächste Mal nach einem Streit stundenlang grübelst, probiere etwas anderes.

Schau dir die Situation noch einmal mit etwas Abstand an.

Was hast du gesagt?

Was könnte dein Gegenüber gehört haben?

Was hat dich besonders getroffen?

Was kannst du beim nächsten Mal anders machen?

Und gibt es vielleicht sogar etwas, das du aus dieser unangenehmen Situation lernen kannst?

Konflikte lassen sich nicht immer verhindern.

Und nicht jeder Konflikt muss vollständig geklärt werden.

Aber du kannst lernen, besser mit ihnen umzugehen – und dafür zu sorgen, dass sie dich nicht noch den ganzen Tag begleiten.

Wenn du häufiger solche oder ähnliche Situationen erlebst und merkst, dass Konflikte bei dir schnell Stress auslösen, findest du in meinem Kurs In 9 Wochen komplett entstresst viele weitere Strategien, mit denen du deinen Stress langfristig in den Griff bekommst.

Denn tatsächlich gilt auch hier:

Psychologie hilft.

Sei glücklich, bleib glücklich!

Dein Stefan

Über den Autoren

Stefan Brandt, Diplom-Psychologe

Ich bin Diplom-Psychologe und Gründer von psycHappy – glücklich durch Psychologie.

Ich unterstütze Menschen dabei, Stress besser zu bewältigen, belastende Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und notwendige Veränderungen wirklich anzugehen.

Dabei verbinde ich wissenschaftlich fundierte Psychologie mit konkreten, alltagstauglichen Impulsen. Mein Ziel: Dir zu helfen, wieder mehr Gelassenheit, Zufriedenheit und Selbstbestimmung in dein Leben zu bringen – und das Steuerrad Schritt für Schritt wieder selbst in die Hand zu nehmen.


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