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Was im Körper bei Stress, Angst und Panik wirklich passiert

Körper bei Stress - www.psychappy.com



Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, was in deinem Körper bei Stress eigentlich wirklich passiert? Wenn du dich gestresst fühlst, Angst erlebst oder Panik hast, reagiert dein Körper natürlich darauf. Aber was passiert dann genau?

Ich finde unseren Körper wirklich faszinierend, er hat so viele schlaue Mechanismen parat, um uns zu dienen und uns unser Überleben zu sichern.

Und das vor allem in stressigen Situationen.

Wenn du dich damit auskennst und ein bisschen verstanden hast, wie das funktioniert, kannst du deinen Körper direkt beeinflussen, um Stress, Angst und Panik zu reduzieren.

Lass uns dazu mal ein bisschen in die Biologie deines Körpers einsteigen.

Ist nicht allzu kompliziert, versprochen! Ich leite dich da durch!

Was genau passiert in deinem Körper, wenn du dich gestresst fühlst?

Dein Zentrales Nervensystem besteht aus deinem Gehirn, deinem Rückenmark und Millionen einzelner Nervenzellen, „Neurone“ genannt, die als das Schaltsystem deines Körpers wirken.

Wenn du jetzt denkst, du könntest dir mal die Tasse Kaffe, die gerade neben dir steht, an den Mund heben, dann muss diese Info ja von deinem Gehirn in den Arm und die Hand gelangen.

Das passiert über die Neuronale Verschaltung mittels elektrischer Impulse.

Lass uns das noch mal etwas genauer anschauen.

Eine menschliche Nervenzelle, also das Neuron, besteht aus einem Zellkörper und Zellfortsätzen, mit denen sie mit anderen Nervenzellen verbunden ist. Hiervon gibt es zwei Arten: zuführende Dendriten und wegführende Axone.

Dendriten sind meist eher kurz, im Unterschied zu Axonen (z.B. ist dein Ischiasnerv über einen Meter lang).

Ich finde, das sieht ungefähr so wie eine Tulpe aus – du hast die Tulpenzwiebel und die Wurzeln daran – das wären der Zellkörper und die Dendriten. Der Stengel und die Blüte wären dann das Axon.

Die Dendriten nehmen also Impulse von anderen Nervenzellen auf und leiten sie zum Zellkörper, welcher sie dann über das Axon zur nächsten Nervenzelle oder zur Zielzelle leitet.

Die meisten Neurone haben viele Dendriten und erhalten so Informationen (also elektrische Impulse) von vielen umgebenden Nervenzellen.

Wie werden die Informationen von einer Zelle zur anderen weitergegeben?

Die Erregung wird mittels Botenstoffen – Neurotransmittern – dann zur nächsten Zelle übertragen.

Am Ende jedes Axons befinden sich kleine Säckchen, in diese Neurotransmitter enthalten sind.

Kommt dort ein Erregungsimpuls an, werden diese Säckchen angeregt, die Neurotransmitter in den Spalt zu einer benachbarten Zelle freizusetzen.

Wenn die Neurotransmitter die Nachbarzelle erreichen, klinken sie sich in spezielle Rezeptoren ein.

Kennst du dieses Spielgerät für kleine Kinder, die verschieden geformte Holzklötze in einen Würfel stecken müssen?

Genau so funktioniert das an den Nervenzellen.

Der Neurotransmitter passt zu bestimmten Rezeptoren an der Nervenzelle.

Und wenn genug Neurotransmitter im Hafen angekommen sind, fängt auch diese Zelle an, wird eine elektrische Ladung aufgebaut und auch diese Zelle fängt an zu feuern.

Oder das Gegenteil passiert, denn es gibt unterschiedliche Arten von Neurotransmittern in ein und derselben Zelle und je nach Bedarf werden die einen oder die anderen abgegeben.

Glutamat und GABA

Die am häufigsten vorkommenden Neurotransmitter im Zentralen Nervensystem heißen Glutamat (ja, genau das in deinem chinesischen Essen) und GABA (Gamma-Amino-Buttersäure).

Glutamat ist ein erregender Neurotransmitter und regt Nervenzellen an, loszufeuern und Nervenimpulse weiterzuleiten.

GABA hingegen ist ein hemmender Neurotransmitter, das für das Funktionieren deines Gehirns und deines Zentralen Nervensystems wichtig ist.

Er verhindert die Übertragung von Nervenimpulsen von einer Nervenzelle zur anderen, reduziert übermäßige Gehirnaktivität und sorgt für einen Ruhezustand.

Ohne GABA, das das Glutamat reguliert und ausbalanciert, feuern deine Neurone zu oft und zu vorschnell und dein Körper ist in ständiger Wachsamkeit.

Und das ist es, was eigentlich passiert: Dein Stress, deine Angst, deine Panik sind die Auswirkungen einer zu niedrigen GABA-Aktivität.

Sucht, Kopfschmerz, Depression, Parkinson Erkrankung, Denkstörungen können weitere Folgen einer zu niedrigen GABA-Konzentration sein.

Denk mal an den Moment, wo du zuletzt Kaffee oder schwarzen bzw. grünen Tee getrunken hast (vielleicht machst du das ja gerade jetzt).

Das enthaltene Koffein ist eine natürliche Droge, die GABA daran hindert, an den Rezeptoren der Nervenzelle anzudocken.

Je weniger GABA vorhanden ist, umso größer ist die Reizweiterleitung von einer Zelle zur anderen.

Deshalb trinkst du ja koffeinhaltige Getränke – um wach und munter zu sein oder zu bleiben.

Kennst du den Zustand, wenn du mal zu viel Kaffee getrunken hast und überreizt bist? Genau so fühlt es sich an, wenn du zu viel Glutamat im Nervensystem hast und dir GABA fehlt.

Was du tun kannst, um mehr GABA zu bekommen

Genau hier kommt die 4-7-8-Technik ins Spiel, die ich dir schon mal vorgestellt habe.

Die langsame Atmungsfrequenz und der steigende Sauerstoffgehalt in deinem Blut signalisieren deinem Gehirn „Jetzt ist es Zeit, mal wieder GABA freizusetzten!“.

GABA wiederum hemmt die Freisetzung von Cortisol und Adrenalin und sorgt so dafür, dass sich dein Körper und dein Geist herunterfahren, ausruhen, verdauen und sich selbst heilen.

Du kannst die 4-7-8-Technik immer dann nutzen, wenn du GABA freisetzen möchtest. Es wird dir helfen, dein Nervensystem wieder auf ein gesundes Maß herunterzufahren, du wirst dich ruhiger fühlen, entspannter und besser in der Lage sein, den Herausforderungen deines Lebens zu begegnen.

Wie du noch mehr GABA bekommst

Wenn du merkst, dass du dich einfach nicht entspannen kannst oder dir die Konzentration schwerfällt, kann dir GABA helfen, zu entspannen.

Manche Menschen kaufen sich das sogar in Kapselform – aber das empfehle ich dir nicht.

GABA wird nur schwer über das Verdauungssystem aufgenommen.

Steigere die Menge lieber auf natürliche Weise!

Zusätzlich zur 4-7-8-Methode hat sich erwiesen, dass dir Yoga hilft, die GABA-Konzentration zu steigern.

Das ist ja auch klar, weil Yoga die Tiefatmung im Programm hat und damit auch die Sauerstoffkonzentration im Blut erhöht.

Seit tausenden von Jahren nutzt die Menschheit Atemtechniken und Techniken wie Yoga, Tai Chi, Qi Gong, um damit Stress und Angst in den Griff zu bekommen.

Aber erst jetzt versteht die Wissenschaft, warum das so gut klappt.

Es gibt auch eine Vielzahl an natürlichen Substanzen, die die GABA-Konzentration in deinem Körper senken oder steigern.

Wenn du dir klar machst, wie GABA wirkt, verstehst du auch, wie viele Kräuter, Vitamine und Mineralien wirken.

Sie sorgen nicht für eine Erhöhung der Konzentration des Neurotransmitters, sondern verändern den Rezeptor, der GABA aufnimmt.

Klar weißt du, dass Baldrian eine beruhigende Wirkung hat. Nicht zuletzt deshalb wird es ja auch so oft als Schlafmittel eingesetzt.

Er wirkt, weil er die Rezeptoren für GABA sensibilisiert.

Ginseng, Kaffee und Tee (und das enthaltene Koffein) beeinflussen ebenfalls die GABA-Rezeptoren und verringern deren Aufnahmefähigkeit für GABA.

Deshalb überwiegt dann das Glutamat – und so wirken diese Mittel aufputschend.

Wodurch wird die GABA-Wirkung noch verstärkt?

Komischerweise wirken auch die chemischen Bestandteile von in Eichenfässern gereiftem Whiskey positiv auf die GABA-Wirkung.

Durch Reifung entstehen chemische Verbindungen im Whiskey, die aus dem Alkohol als Duft freigesetzt werden und allein durch Inhalation dein Gehirn erreichen.

Wie toll ist das denn? Du musst nur am Whiskey riechen und schon entspannst du dich!

Der Duft von Oolong-Tee hat einen ähnlichen Effekt.

Theanin ist eine Eiweißverbindung, die die GABA-Produktion erhöht und die in großen Mengen in Tee vorkommt (wie der Name schon sagt).

Deshalb kann eine Tasse Tee beruhigend wirken trotzdem auch gleichzeitig Koffein enthalten ist.

Fermentierte Nahrung wie Joghurt und Sauerkraut stärken dein Immunsystem und wirken positiv auf deinen Darm, indem sie förderliche Bakterien enthalten, die GABA produzieren.

Auch Magnesium verstärkt am GABA-Rezeptor die Wirkung von GABA und hat damit eine entspannende, beruhigende und angstlösende Wirkung.

Auch Tryptophan verstärkt die GABA-Aktivität und – Tadaaaa – ist besonders in Milch vorhanden.

Also trink wirklich ein Glas warme Milch, wenn du nicht einschlafen kannst.

Ich finde es faszinierend, dass diese Nahrungsmittel unseren Körper und unseren Geist stimulieren oder beruhigen, indem Sie alle den GABA Neurotransmitter beeinflussen.

Am faszinierendsten aber finde ich, dass unsere Körperchemie nicht nur unsere Gedanken und Handlungen beeinflusst, sondern sich auch so schnell verändert – abhängig davon, wie wir denken und handeln.

Ob du dich stresst (oder stressen lässt) und damit mehr Glutamat, Cortisol und Adrenalin freisetzt oder dich bewusst so verhältst, dass du mehr GABA, Endorphine und andere „Glückshormone“ freisetzt – Du hast mehr Einfluss darauf, wie du dich fühlst, als du denkst.


Mehr nützliche Tipps, wie du deinen Stress dauerhaft in den Griff bekommen kannst, erhältst du hier auf psycHappy.

Wenn du den psycHappy Podcast abonnierst, verpasst du sicher keinen meiner hilfreichen Tipps!

Sei glücklich, bleib glücklich!

Dein Stefan